4 min.


Fit für Azubis – Die besten Initiativen 2025

Drei Betriebe zeigen in besonderer Weise, wie moderne Ausbildung im Fleischerhandwerk gelebt wird und wie gezielte Investitionen in Nachwuchskräfte langfristige Perspektiven schaffen. Mit dem Wettbewerb „Fit für Azubis“ würdigt die GILDE Stiftung dieses Engagement und macht innovative Ausbildungsansätze sichtbar, die weit über den klassischen Ausbildungsalltag hinausgehen.

Metzgerei Hamm (Griesheim)

 

Fit F Azubis HAMM

 

Bereits seit 126 Jahren in Familienbesitz ist der Metzger-, Caterer-, Eventgastronom- und Hotelierbetrieb Hamm. „Die meisten unserer Auszubildenden bleiben bei uns“, freut sich Geschäftsführer Thiemo Hamm und betont, wie wichtig es ist, mit der Zeit zu gehen und „eben mehr als nur Fleischsalat und Fleischwurst zu verkaufen und zu vermarkten“. Dies führt er auf vielfältige Aufstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zurück. So sind zum Beispiel bereits neun Fleischsommeliers an Bord. „Eine sehr praxisnahe Fortbildung, die für alle Berufe äußerst hilfreich ist“, begründet er. Im Laden weist er offensiv auf diese Kompetenz hin, etwa mit Hinweisen wie „Heute bedient Sie unser Fleischsommelier X“. Parallel dazu läuft die Vermarktung in den sozialen Netzwerken, über die der Betrieb auch mit viel Nachwuchswerbung Interesse für eine Ausbildung weckt.

Hamm bietet darüber hinaus jungen Menschen, die auf der Walz sind, Arbeitsmöglichkeiten an. „Die jungen Leute bringen den Blick von außen und viel Engagement ein“, freut sich Melita Schuller, die das Koordinations- und Eventmanagement leitet. Auch David Hilpert, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks und Gewinner des Euroskills-2025-Vorentscheids, war bei den Griesheimern zu Besuch.

Thiemo Hamms Ziel ist es, die Begeisterung für sein Handwerk mitsamt Nachwuchskräften weiterzugeben und öffentlich sowie online modern darzustellen. „Jammern bringt uns nicht weiter“, so seine Devise. Wichtig sei es, mit der Zeit zu gehen und „eben mehr als nur Fleischsalat und Fleischwurst zu verkaufen und zu vermarkten“.

 

Albmetzgerei Failenschmid (St. Johann-Gächingen)

 

Fit f Azubis Failenschmid_bearb

Schlachtung, Verkauf, Catering und Gastronomie: Bei der Albmetzgerei Failenschmid ist alles in einer Hand. Auch in der Ausbildung setzt Inhaber Ludwig Failenschmid Maßstäbe. Seit vergangenem Jahr wirbt er gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Bäckerhandwerk gezielt Auszubildende aus Madagaskar an. Eine Deutschlehrerin, die auf die ostafrikanische Insel ausgewandert ist, bereitet die jungen Menschen sprachlich vor, sodass sie mit B1-Niveau die Schwäbische Alb erreichen. „Sie reden und verstehen wirklich sehr, sehr gut“, lobt der Unternehmer. „Zudem haben sie keine Scheu, auf die Kunden zuzugehen.“ Ende dieses Jahres werden vier von zehn Auszubildenden aus Madagaskar stammen.

Alle Nachwuchskräfte profitieren zudem von der Expertise des pensionierten Lehrmeisters Edgar Kuhn, den Failenschmid für seinen Betrieb reaktiviert hat. Kuhn nutzt die in die neu gebaute Schinkenhalle integrierte Lehrwerkstatt für zusätzlichen „Privatunterricht“. Alle zwei Wochen vermittelt der gelernte Metzgermeister dort praxisnah Theorie und Handwerk. Die Industrie hat sich mit rabattierten Gerätschaften an dieser Investition für den Nachwuchs beteiligt. Perspektivisch ist sogar eine überbetriebliche Ausbildung in der Lehrwerkstatt geplant.

 

Fleischerei Becker (Schwalmstedt) 

 

Fit F Azubis Becker_bearb

Dass er im vergangenen Jahr Mitglied der „Fleischer-Nationalmannschaft“ wurde, macht Moritz Becker noch immer mächtig stolz. Klar hat der Juniorchef diese Kompetenz über Medienartikel und Mundpropaganda vermarktet, er nutzt sie aber auch, um den eigenen Auszubildenden sein umfangreiches Wissen weiterzugeben. „Wenn die Jungs jetzt mit ihrer Abschlussprüfung konfrontiert sind, dann zählen nicht nur Wissen, sondern ebenso Kreativität“, weiß der 23-Jährige. Er nimmt sich viel Zeit dafür, beispielsweise Kniffe und Tricks für den regional sehr begehrten Rollbraten weiterzugeben, um dann bei den Prüfern einen „Wow-Effekt“ zu erzielen.

Wie sehr er und sein Betrieb sich dem Thema Ausbildung widmen, zeigt auch die seit knapp zehn Jahren bestehende Kooperation mit einer Berufsschule in Prag. Die Ausbildung im Nachbarstaat erfolgt überwiegend theoretisch, doch im letzten Lehrjahr absolvieren die Schüler ein zweiwöchiges Auslandspraktikum. „Dann haben wir für zwei Wochen zwei junge Tschechen im Betrieb“, berichtet er.

Überhaupt beschäftigt die Metzgerei junge Menschen aus aller Welt. Die in der Stadt ansässige Hephata-Diakonie vermittelt unbegleitete Flüchtlinge, von denen bereits mehrere erfolgreich ausgebildet wurden. „Viele kommen zu uns und schauen sich an, was wir machen“, sagt Becker und freut sich darauf, auch in diesem Sommer wieder einen Auszubildenden aus Syrien im Team zu begrüßen.

 

 „Fit für Azubis“ zeichnet die besten Ideen und Aktionen rund um die Ausbildung im Fleischerhandwerk aus und macht sie öffentlich sichtbar. Die GILDE Stiftung unterstützt unter anderem die Landeswettbewerbe der Innungen, Fortbildungen und Auszubildende mit erschwerten persönlichen Ausbildungsbedingungen. Mitglied werden können Unternehmen aus Handwerk und Industrie sowie Privatpersonen. 

Fotos: Felix Holland